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Das Problem sind nicht die Führungskräfte, sondern wer Führungskraft wird.

19. Juni 2017 - 17:07

Nun mag das ja noch branchenabhängig sein, grundsätzlich gleich ist die Voraussetzung für den   typische Weg zur Führungskraft: Sie müssen erfolgreich gewesen sein, d.h. sie müssen einen erkennbaren/messbaren Beitrag zu den Unternehmenszielen geleistet haben.

Nehmen wir doch einmal den Maschinenbau, als eine der wichtigen Branchen in Deutschland.

Typischerweise haben Sie sich als junger Mensch bereits für Technik interessiert. Hierzu fand eine Arbeitsgruppe des VDI bei einer Jahrestagung einmal heraus, dass junge Menschen sich möglicherweise deswegen für Technik interessieren, weil sie sie mit den unberechenbaren, widersprüchlichen Erwachsenen in ihrer Umgebung nicht zurechtkommen und sich im Bastelkeller „verkriechen“ – das machen manche Erwachsene heute noch.

In der Schule interessieren Sie sich dann mehr für technisch-naturwissenschaftliche Fächer und – um das Klischee zu bedienen - für Sport.

Je nach Schulabschluss machen Sie eine Lehre, Mechaniker, Elektriker, Mechatroniker, Maschinenbauer und danach ein Studium an einer FH, oder nach erfolgtem Abitur ein Studium des Maschinenbaus an einer Uni.

Ihre Industriekarriere beginnt dann im Service, in der Konstruktion, in der Fertigung eines Maschinenbau-Unternehmens.

Sie haben dann irgendwann bewiesen, dass Sie zähl-, wäg- und messbare Ergebnisse erzielen können. Sie sind erfolgreich. Sie haben betriebswirtschaftliches Knowhow ergänzt und zeigen auch hier messbare Ergebnisse.

Sie sind jetzt gereift in einer (Denk-)Welt, die eben, ich wiederhole mich gerne, messbare Ergebnisse als Ultima Ratio, als einzige mögliche Denkweise verinnerlich hat. Es ist für Sie normal geworden, so zu denken.

Es erinnert an Puh der Bär. Christopher, der kleine Junge, dem dieser Bär gehört, zieht beim Treppe hinabgehen diesen Bären am Bein hinter sich her. Es ist also normal für Puh der Bär, mit dem Kopf von einer Stufe auf die nächste zu schlagen, er kennt keine andere Weise, die Treppe hinabzugehen.

Sie haben gelernt, klar zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Dazwischen gibt es nichts. Und die Kriterien für richtig und falsch ergibt sich aus der Eindeutigkeit der technisch-wissenschaftlichen Welt.

Sie sind erfolgreich im Stadium des Vereindeutigungswahns angekommen.

Und jetzt sollen sie Mitarbeiter führen………

Und dann werden Sie in Führungsseminare geschickt. Diese Welt ist Ihnen fremd, insbesondere wenn es um psychologische Aspekte der Führung geht.

Diese Welt können Sie nur auf der Basis Ihrer bisherigen Erfahrung und Ihrer bisherigen Denkwelt wahrnehmen und beurteilen. Also suchen Sie nach der (morgen umsetzbaren) Methode, mit der Sie Menschen dazu bringen wollen, so zu denken und zu funktionieren, wie sie selbst.

Das ist alleine deswegen schon eine schwierige Aufgabe, weil Ihre Mitarbeiter ihre Denkmuster auch in der technisch-wissenschaftlichen Welt beziehen und oft keinerlei Einsicht in ihre eigene Persönlichkeit und deren unbewusste Anteile haben – genau wie Sie selbst.

Ich höre dann oft etwas von dem „gesunden Menschenverstand“, nach dem die Mitarbeiter handeln sollten.

Dabei ist es genau dieser „gesunde Menschenverstand“, der Mitarbeiter dazu bringt, Unangenehmes zu vermeiden (zum Beispiel).

Und da es dann auch für Sie Unangenehm wird, vermeiden Sie soweit wie möglich alle schwierigen Situationen, die mit Mitarbeitern und mit Führung zu tun haben. Das führt dann zu weiteren Unangenehmen Situationen – und täglich grüßt das Murmeltier.

Sie werden dann gegenüber bestimmten Situationen hilflos. Entweder vermeiden Sie diese Situationen (was die Probleme eben nicht löst) oder Sie werden laut (das nennt man dann autoritär).

Letzteres wollten Sie nie werden.

Fühlen Sie sich provoziert? Das ist mein Ziel.

Sie können jetzt im Stadium des Widerspruchs verharren.

Sie können die Provokation auch nutzen, um darüber nachzudenken, wie gut Sie sich wirklich jenseits von Küchenpsychologie à la „Der Mitarbeiter ist halt so“ mit Führungspsychologie oder, noch allgemeiner, mit menschlichem Verhalten allgemein auskennen. Dann hätte sich das Lesen bis hierhin für Sie gelohnt.

Sie könnten auch z.B. mal googeln, was ein "unconscious bias" ist. Und sich dann auf den Weg der Entdeckung Ihrer unbewußten Überzeugungen und Glaubenssätze machen. Die nämlich verhindern möglicherweise Ihren Führungserfolg.

Das Sie Ihre messbaren Ziele erreichen ist nämlich kein Beleg dafür, dass Sie eine gute Führungskraft sind. Sondern lediglich - und das ist ja schon viel wert - dass Sie gut managen können.

Sie dürfen mich auch gerne anrufen, um mir mal richtig Ihre Meinung zu sagen........

Hans Habegger

0175 2013102

 

 

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