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Die Grenzen der Selbstorganisation

3. November 2017 - 5:20

Neue Organisationsformen werden gebraucht. Und Experimente dazu signalisieren Erfolge, die gemäß bestehender Marktmechanismen sofort zur Vermarktung entsprechender Beratungsleistungen eingesetzt werden. Und natürlich wirkt sich das Versprechen einer neuen, besseren Arbeitswelt auf die Betroffenen aus und mündet in entsprechender Ablehnung bisheriger Strukturen. Bis hin zur Forderung nach Abschaffung von Führung überhaupt.

„Schwarmintelligenz“ ist ein dabei viel verwendeter Begriff, der bereits eine Tendenz zum Dogma hat.

Bereits 2011 hat dagegen die ETH Zürich nach entsprechenden Versuchen festgestellt, dass sozialer Einfluss die eigene Meinung verändert. Damit würde die Diversität der Antworten verringert, nicht jedoch der kollektiven Fehler.

Den Artikel von SPIEGEL ONLINE mit Angaben der Quellen finden Sie hier:
Gemeinsam sind wir dümmer.

Ähnliche Ergebnisse berichtet jetzt die HARVARD Business Review. In Experimenten wurde festgestellt, dass Individuen dazu tendierten, Informationen ungeprüft zu übernehmen, wenn sie in einer Gruppe waren. Fakten-Checks bleiben in einer Gruppe oft aus. Den Artikel finden Sie hier: Being in a Group Makes Us Less Likely to Fact-Check.

Diese Ergebnisse bedeuten aus unserer Sicht

  • Selbstorganisation ist kein Allheilmittel, das automatisch zu besseren Entscheidungen führt
  • Den „Querdenkern“ in Teams kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie eine geringere Tendenz haben, sich den Meinungen der Allgemeinheit anzuschließen
  • Führungskräfte brauchen ein klares Rollenverständnis, in dem Klarheit darüber herrscht, dass er/sie bei aller gewünschten und sinnvollen Nähe zum Team kein Teammitglied ist. Nur dann kann diese Führungskraft im Sinne des Wortes „führen“ und möglicher „Schwarmdummheit entgegenwirken.
  • Der Weiterentwicklung der psychosozialen Kompetenz von Führungskräften kommt eine zunehmend große Bedeutung zu. Mit Expertenwissen alleine können moderne Organisationen nicht geführt werden.

 

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