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Die monoparametrische Weltsicht – ein Erfolgsmodell für Führungskräfte?

19. Januar 2018 - 11:28

Wenn die Verbreitung bestimmter, einfacher Erklärungsmuster ein Indiz für Erfolg ist, dann ist die Titelfrage spontan mit „Ja“ zu beantworten. Aber lassen Sie uns einmal genauer hinschauen.

In einem Seminar werden in Kleingruppen konkrete Führungssituationen aus dem Alltag der Teilnehmer bearbeitet. Ziel ist, Lösungsansätze zu entwickeln.

Einer der Teilnehmer hat diese Situationsbeschreibung:

Einer seiner Mitarbeiter „reißt alles an sich“, er gebe auch keine Aufgaben weiter, obwohl er Überstunden machen müsse und auch am Samstag in die Firma komme, selbst wenn er frei habe, tauche er immer wieder in der Firma auf.

Die Erklärung der Führungskraft stellt eines der häufigen Klischees von Führungskräften dar, mit der solches Verhalten eingeschätzt wird: „Der will ja nur die Anerkennung“.

Kennen Sie Eltern, die so ähnlich reagieren, wenn es um ihre Kinder geht?

Da kommen Sie als Besucher, ein Kind zeigt Ihnen stolz ein Spielzeug und die Eltern reagieren mit „der/die will ja nur Anerkennung“ . Im schlimmsten Fall noch ergänzt mit: „Einfach nicht beachten.“

Vielleicht liegt hier die Ursache für die monoparametrische Weltsicht: Das Kind lernt sie von den Eltern. Und die von deren Eltern usw.

So übernehmen auch Führungskräfte einfache Erklärungsmuster für menschliches Verhalten, entweder schon in der Kindheit von den Eltern, oder später von eigenen Führungskräften.

Und da diese Erklärung ja sofort präsent ist, wird auch gar nicht weiter nachgedacht. Ist ja auch ökonomischer.

Einer der Hauptaufgaben der Führungskräfteentwicklung muss es sein, Teilnehmern das Denken in Alternativen, in teilweise sogar sich widersprechenden Hypothesen aufzuzeigen. Sie darauf aufmerksam zu machen, dass alles, was sie über andere denken, Hypothesen sind. Und das unterschiedliche Hypothesen zu unterschiedlichen Lösungsansätzen und Ergebnissen führen.

Was heißt das für das o.a. Beispiel?

In der Transaktionsanalyse gibt es das Konzept des „Antreibers“ (genauer: Des „Antreiber-Verhaltens“). Hier werden 5 Verhaltens-Strategien beschrieben, mit denen Individuen versuchen, (unbewusste) Unsicherheit aufzulösen. (Die Antreiber sind in einem anderen Blogbeitrag bereits beschrieben: „Wirklich autoritär?“

Der Fokus einer solchen Person ist auf Fehlervermeidung, auf Perfektion ausgerichtet. Und er/sie ist ein Meister im Entdecken von Fehlern.

Eigentlich mag unsere Industriekultur ja die hohe Arbeitsqualität, die daraus entsteht. Aber es entstehen eben auch Nebenwirkungen, siehe oben.

Und eine der möglichen Nebenwirkung KANN sein, dass die Person einen großen Aufwand treibt (Überstunden, Urlaubsunterbrechungen, Wochenendarbeit) und dass dieser Aufwand schließlich in einem Burn-Out endet. Dafür seien Perfektionisten besonders anfällig, kann man lesen.

Jetzt haben Sie für das Verhalten des Mitarbeiters bereits zwei Erklärungs-Hypothesen:

  1. Er will ja nur Anerkennung.
  2. Er hat eine Tendenz zum Perfektionismus.

Ich vermute, auch Sie als Führungskraft führen unterschiedlich, je nachdem, welche dieser Hypothese Sie für wahrscheinlicher halten.

Tendieren Sie auch zu monoparametrischer Weltsicht?

Und wie würden Sie im beschriebenen Fall vorgehen?

 

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