Blog

Irrtümer der Personalentwicklung - eine Blogserie in 3 Teilen

22. März 2017 - 5:00

Teil II: Nutzen von Führungskräftetrainings

Karl Valentin formulierte es einmal so „….und urplötzlich geschah nichts

Was ist gemeint? – und worin genau liegt der Irrtum?

Lassen Sie mich einmal als erfolgreicher Führungskräftetrainer plakativ und provozierend formulieren:

Nehmen wir einmal an, Sie als Führungskraft haben an einem erfolgreichen  Seminar teilgenommen, das ein professioneller Trainer leitete, in dem Sie an Ihren praxisorientierten Themen und Fragestellungen die angebotenen Führungsmodelle und Impulse „geprüft“ haben. Sie haben Ihre Seminarziele erreicht. Und noch ein Nutzen: Sie haben durch den häufigen  kollegialen Austausch in den Seminararbeitsgruppen zusätzliche Impulse und Antworten erhalten. Sie schließen das Seminar ab mit Ihren persönlichen Antworten auf die Frage „was werde ich ab jetzt anders machen und/oder verstärken?“

So weit so gut.

Jetzt kommen Sie zurück in Ihren Führungsalltag und werden von Ihren Mitarbeitern und Ihrem Vorgesetzten (noch) genau(er) beobachtet.
Sie waren ja schließlich auf einem Seminar. Was Sie angeht, so sind Sie entweder euphorisch und wollen „gleich loslegen“ mit Ihren Veränderungen oder Sie lassen die Veränderungsimpulse erst einmal  „reifen“ – „sich setzen“, wie man so schön sagt. Im ersten Fall wirken Ihre Veränderungen  vermutlich „aufgesetzt“, „unnatürlich“. Möglicherweise geben sich Ihre Mitarbeiter gegenseitig eine Empfehlung folgender Art: „mach einen großen Bogen um unseren Chef, in 3 Tagen ist er sicher wieder der „Alte“.

Im anderen Fall „saugt“  Sie ihr Tagesgeschäft an und lässt die Entwicklungsimpulse verschwinden. Ihr „System“
(soll heißen Persönlichkeit und Verhaltensmuster) geht in den alten Gleichgewichtszustand zurück (Homöostase!).
Sie sind wieder der Alte, und es geschieht urplötzlich nichts. Herr Valentin lässt grüßen.

Dauerhafte Veränderung gelingt nur, wenn die neuen Impulse in den individuellen (biografisch geprägten) Bezugsrahmen integriert werden können, dieser also erweitert wird. Dazu ist persönliches Feedback durch die Führungskraft und intensive, geleitete Selbstreflexion notwendig.

Wenn diese fehlt (aus unserer Erfahrung ist das sehr häufig der Fall) bleibt es bei „viel gelernt im Seminar“.

Die Erwartung des Managements, dass die Führungskräfte nach ihrem Training grundsätzlich etwas anders machen in ihrem Führungsverhalten erweist sich deshalb als großer Irrtum und zeugt nicht von professionellem Verständnis von Personalentwicklung.

Metaphorisch gesprochen:

Ein Mensch, der sein bisheriges Leben zum Urlauben immer ans Meer gefahren ist und gut erholt zurückkehrte „lernt“, in den Bergen zu wandern. Eine Woche Wanderurlaub, die er „verordnet“ bekommen hat, also etwas, was außerhalb seines üblichen Bezugsrahmens liegt.

Er lernt gut und hat Spaß dabei. Die Kondition stimmt.
Am Ende gibt’s ein Wanderzeugnis.

Was wird im nächsten Jahr sein Urlaubsziel sein?

 

Wandern Sie mit uns!

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Spamschutz