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Negativer Stress löst kindliche Verhaltensmuster aus

12. April 2017 - 5:00

Bitte! Verwechseln Sie hier nicht kindlich mit kindisch.

Gemeint sind Verhaltensmuster, die wir in der Kindheit entwickelt und genutzt haben, um damals mit uns belastenden Situationen umgehen und sie lösen zu können.

Diesen Verhaltensmustern liegen entsprechende Überzeugungen und Glaubenssätze als Auslöser zu Grunde. Das macht es schwierig zu erkennen, dass diese Verhaltensmuster kontraproduktiv, störend oder sogar stresssteigernd sein können. Der negative Stress wird dadurch also nicht beseitigt, im Gegenteil.

Die Struktur der Grundüberzeugung lässt sich so formulieren:

Nur wenn ich [Verhaltensmuster], erhalte ich Zuwendung von meinen Bezugspersonen.

Mit Zuwendung ist hier jede Form von positiver Reaktion der Bezugspersonen gemeint: Augenkontakt, Lächeln, Streicheln, in den Arm nehmen, positives verbales Feedback, mit der Folge, dass der zuvor entstandene negative Stress verschwindet.

Im Einzelnen lauten diese Grundüberzeugungen und die dazugehörigen, internen Aufforderungen:

Grundüberzeugung                                                                   Interne Aufforderung

Nur wenn ich schnell bin, bin ich OK                                          Sei schnell                         

Nur wenn ich belastbar, bin ich OK                                            Sei stark

Nur wenn ich Leistung zeige bin, bin ich OK                              Streng dich an 

Nur wenn ich fehlerfrei bin, bin ich OK                                      Sei perfekt

Nur wenn ich mich um andere kümmere, bin ich Ok                 Mach’s anderen recht 

 

Ein Beispiel:

Eine Führungskraft stellte anhand einer Selbsteinschätzung fest, dass seine ausgeprägtesten Verhaltensmuster „Mach’s anderen Recht“ und „Sei stark“ waren.

Als er das erkannte, schimpfte er im Seminar lauthals… über sich selbst. Er erklärte sich für „verrückt“ und „nicht ganz sauber“.

Nachdem er sich beruhigt hatte, schilderte er seinen typischen Alltag:

Er ist bei seinen Mitarbeitern als besonders hilfsbereit beliebt (Mach‘s anderen recht). Entsprechend oft kommen seine Mitarbeiter mit Problemen zu ihm, die er dann, weil „die Mitarbeiter ja so viel zu tun haben“, übernimmt (Mach‘s anderen recht) und bearbeitet.

Da sein Arbeitstag mit vielen anderen Dingen ausgefüllt ist, nimmt er diese Probleme Abends und am Wochenende mit nach Hause und übergibt am Folgetag die Ergebnisse wieder zurück an die Mitarbeiter.

Er nimmt zwar wahr, wie sehr in dies alles belastet, spricht aber weder gegenüber den Mitarbeitern, noch seinem Vorgesetzten darüber (Sei stark).

Erst als er im Seminar von diesen aus der Kindheit stammenden Verhaltensmustern erfährt, spricht er über die Belastung und nimmt sich vor, diese Form der Rückdelegation genauer anzuschauen und Mitarbeiter dabei zu unterstützen, die bestehenden Probleme selbst lösen zu können, statt sie selbst zu übernehmen.

Die hier beschriebenen Verhaltensmuster sind einerseits persönliche Qualitäten. Sie versetzen uns in die Lage

  • Unter Zeitdruck arbeiten zu können (sei schnell)
  • Belastbar zu sein (sei stark)
  • Engagiert zu arbeiten (streng dich an)
  • Hohe Qualität abzuliefern (sei perfekt)
  • Mit anderen gut zu kooperieren (mach‘s anderen recht)

Je nachdem wie stark diese Muster ausgeprägt sind, können sie andererseits sich auch negativ auswirken.

Führungskräfte können basierend auf diesen Mustern

  • bei Mitarbeitern Hektik auslösen, weil nichts schnell genug geht
  • auf Mitarbeiter unnahbar wirken, weil sie keinerlei Empathie zeigen
  • zu viel Druck machen, bei der es nicht um das Ergebnis, sondern nur um die Anstrengung selbst geht
  • überkritisch sein, weil nichts gut genug ist
  • keine klaren Grenzen setzen und nicht genug delegieren

 

Das Wissen um die eigenen Verhaltensmuster, deren Herkunft und deren Überprüfung in Bezug auf den aktuellen Kontext macht Führungskräfte erfolgreicher. Die Bearbeitung dieser Verhaltensmuster geschieht typischerweise im Rahmen von professionellem Coaching.

 

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