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Postfaktisch – wie ein altes Faktum neu geboren wurde.

3. Januar 2017 - 19:08

Das Wort des Jahres 2016, dazu hat es die Gesellschaft für deutsche Sprache erwählt – postfaktisch.

Und es hielt und hält Einzug in den täglichen Sprachgebrauch, jeder verbindet etwas damit, vor allem politisch. Und mit süffisantem Schmunzeln werden politische Gegner damit etikettiert.

Wenn man einmal innehält und versucht, den Wortsinn zu ergründen und nimmt ein wenig Grundkenntnisse der Neurologie und Psychologie hinzu, kommt man zu aus meiner Sicht zu einem erstaunlichen Ergebnis: Das ist ja gar nichts Neues!

Lassen Sie uns die Fakten näher betrachten:

Postfaktisch, so wird es beschrieben, bedeutet, dass die Fakten keine Rolle spielen, sondern Einschätzungen, Bewertungen, Entscheidungen auf Gefühlen beruhen.

Nun, Fakt ist, dass Gefühle wiederum (nicht nur, aber auch) auf Überzeugungen, Denkmustern, Annahmen und damit auch auf Vorurteilen beruhen.

Wir sprechen also davon, dass für Entscheidungen etc. keine Fakten, sondern u.a. Überzeugungen, Annahmen und Vorurteile herangezogen werden.

WAS ist DARAN neu?

Das erleben wir in jedem Unternehmen. Nein, nicht bei den Unternehmensentscheidungen.

Wir erleben es bei den Überzeugungen, die Führungskräfte bezüglich ihrer Mitarbeiter haben – und umgekehrt – die als alternativlos angesehen werden. Annahmen, Vorurteile, Interpretationen prägen das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Das sind Kennzeichen postfaktischer Verhaltensmuster!

Nein, beschränkt auf die Unternehmenswelt ist es nicht. Wir finden das Phänomen auch in Ehen.

Und es ist KEIN neues Phänomen. Wir haben einfach nur ein neues Wort dafür gefunden!

 

 

 

 

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