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Resilienz - Anleitung zur Verweigerung?

28. November 2016 - 6:47

Was bedeutet eigentlich „Resilienz“?

Eine triviale Beobachtung: Nicht jeder reagiert in einer konkreten, schwierigen Situation gleich. Manch einer gerät in solch einer Situation unter (negativen) Stress, manch anderer bleibt dabei gelassen.

Die Frage, woher dieser Unterschied kommt, führt zu dem Begriff der „Resilienz“. Damit ist psychische Widerstandsfähigkeit gemeint, die z.B. einem Menschen ermöglicht, mit den Belastungen in der Arbeitswelt so umzugehen, dass die psychische Gesundheit erhalten bleibt.

Die Formulierung „mit Belastungen umgehen“ führt jedoch bereits in die Irre. Sie führt dazu anzunehmen, dass für jeden Menschen eine bestimmte Situation in gleichem Maße eine Belastung darstellt.

Genau das aber ist bei resilienten Menschen nicht der Fall. Es ist die individuelle Bewertung einer Situation auf der Basis des persönlichen Bezugsrahmens (also der persönlichen Lebenserfahrung), die darüber entscheidet, ob eine Situation als belastend gewertet wird. Diese Bewertung löst dann ein konkretes Verhaltensmuster aus. Negative Bewertungen führen zu Kampf-/Flucht-Reaktionen, der „Totstellreflex“ kann insofern zu den Flucht-Reaktionen gezählt werden.

Eine „nicht-negative“ Bewertung erhält die Fähigkeit, angemessener, konstruktiver auf die Situation zu reagieren.

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“ wusste schon  vor knapp 2000 Jahren der griechische Philosoph Epiktet.

Resilienter zu werden bedeutet insofern, alternative Denkweisen zu bisher negativen Bewertungen zu entwickeln. Dazu einen Beitrag zu leisten ist eine der wichtigsten Fähigkeiten einer Führungskraft.

Bedingung hierfür wiederum ist, dass die Führungskraft selbst über diese alternativen Denkmuster verfügt, jenseits einer allzu simplen „think-positiv“- Einstellung.

Und es braucht eine Klarstellung: Resilienz hat NICHTS zu tun mit einer „ist-mir-egal“-Haltung.

Resilienz hat auch nichts zu tun mit „etwas von sich abprallen zu lassen“, auch wenn der Wortursprung dies suggeriert. Und es hat noch weniger mit „sich anpassen“, mit „Unterwerfung“, mit „sich verbiegen“ oder „aufgeben“ zu tun.

Resilient sein bedeutet, in einer komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben, auch unter schwierigen Bedingungen. Resilient sein bedeutet auch, in konstruktiver Art und Weise Widerstand leisten zu können, gegen Fehlentwicklungen, gegen falsche Entscheidungen.

Resiliente Menschen engagieren sich, ohne ihr Wohlbefinden von Erfolg/Misserfolg abhängig zu machen, ohne sich davon abhängig zu machen, dass ALLES PERFEKT funktioniert.

 

 

 

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