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Selbstorganisation bedeutet, sich selbst führen zu können

13. Februar 2018 - 6:28

Die Frage nach der richtigen Führung führt auch dazu, Führung grundsätzlich in Frage zu stellen.

Die Idee ist, dass gut ausgebildete Mitarbeiter ja wissen, was zu tun ist.

Führung, insbesondere hierarchische Führung, stört da nur und hält gut ausgebildete und kluge Mitarbeiter doch nur davon ab, ideenreich und kreativ für die Kunden zu arbeiten, um die es letztendlich ja geht.

Diese Idee hat Charme.

So ganz werde ich dabei nicht den Gedanken los, dass die Ideen der antiautoritären Erziehung im Untergrund noch nachwirken. Das wäre es wert, einmal genauer untersucht zu werden.

Ein anderer Aspekt allerdings bleibt in vielen Diskussionen und Blogbeiträgen unbeachtet:

Die Selbstkompetenz der Mitarbeiter.

Selbstorganisation braucht Selbstkompetenz. Selbstkompetenz hier verstanden als die Fähigkeit sich selbst zu führen.

Dazu braucht es vor allem Wissen über sich selbst. Dazu braucht es Wissen über das, was C.G.Jung „Schatten“ nannte, also mehr Wissen über die eigenen unbewussten Motive, blockierende Glaubensätze, Bevorzugungen, Ausblendungen, blinde Flecken oder wie auch sonst man das noch nennen möge. Es braucht Wissen über eigene Konfliktmuster genauso, wie der eigenen „wunden Punkte“.

In der Regel beschäftigen wir uns, wenn überhaupt, mit all diesen Themen nur dann, wenn unsere Denk- und Verhaltensmuster nicht mehr zur Lösung bestehender Probleme taugen. Das nennt man dann eine „Krise“.

Davor verwenden wir Menschen diese Muster im Sinne des „Mehr desselben“, denn sie sind ja deswegen entstanden, weil sie in einem spezifischen Kontext sinnvoll waren und ein konkretes, aktuelles Problem zu lösen halfen.

Zu den – allzu menschlichen – Lösungsstrategien gehört Vermeidungsverhalten, das wir immer dann zeigen, wenn uns etwas unangenehm ist. Oft ist uns dieses Vermeidungsverhalten gar nicht bewusst.

Das Konzept der „Passivität“ aus der Transaktionsanalyse beschreibt typische Denk- und Verhaltensmuster, mit denen wir unangenehmen Situationen aus dem Weg gehen.

Führung bekommt mit dieser Perspektive einen anderen Sinn.

Führung bedeutet so gesehen einen Beitrag für die Weiterentwicklung der Selbstkompetenz der Mitarbeiter zu leisten.

Das allerdings Bedarf entsprechend ausgebildeter Führungskräfte mit einer entsprechenden Nähe zum Mitarbeiter.

Und hier gibt es drei zentrale Störfaktoren:

  1. Der heutige Arbeitsalltag von Führungskräften lässt das nicht zu.
    Zitat: „Zum Führen habe ich keine Zeit.“
     
  2. Die heutigen Führungskräfte sind dafür nicht ausgebildet.
     
  3. Viele Führungskräften fürchten, dass ihre Mitarbeiter diese Nähe als „Kontrolle“ verstehen könnten.

 

Punkt 2 und 3 führen dazu, dass Führungskräfte diese Nähe vermeiden. Womit wir wieder beim Thema „Passivität“ sind.

 

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